Daniel Dörrschuck ist Influencer, Content-Creator, Autotester, Journalist, Filmer, Unternehmer und Rennfahrer. Wir haben mit ihm über seinen Werdegang und die Faszination Rennsport gesprochen.
Hi Daniel. Du betreibst mit der MotorWoche einen recht erfolgreichen YouTube-Kanal: dort 131.000 Abonnenten, auf Instagram rund 110.000 Follower: Wie bist du in diese Szene gekommen?
Ich bin schon seit mehr als zehn Jahren als Content Creator selbstständig. Ein Urgestein quasi. Mein Freund Patrick und ich haben schon vor 14 Jahren – da waren wir 17 oder 18 – mit Bildern und Testberichten angefangen, die wir auf unsere Facebook-Seite hochgeladen haben. Das war alles noch Freizeitbeschäftigung.
Wir sind damals aus Spaß zu Autohäusern gefahren, haben uns Vorführwagen ausgeliehen, sind eine Runde gedüst und haben dazu Berichte geschrieben. Und, genau, das war total unerfolgreich.
Dann bekam ich eine GoPro geschenkt, die wir ins Auto hängten und haben unsere Testfahrten gefilmt. Das war damals neu und cool und wir haben unseren YouTube-Kanal MotorWoche aufgemacht und die Videos hochgeladen. Und bingo, die Klicks gingen steil nach oben.
Das war dann der Durchbruch?
Der kam tatsächlich durch eine klassische Presseveranstaltung, auf der damals der neue Ford Fokus RS vorgestellt wurde, auf dem Baden-Baden-Airport. Da durften wir als eine der ersten YouTuber hin und ein Video von unserer Testfahrt drehen. Und dann fing das Ganze so richtig an.
Ich bin ein Typ der alten Schule und gehe sehr offen an alles ran. Ich habe null Vorurteile gegenüber irgendwelchen Marken, gegenüber irgendwelchen Antriebsarten, gegenüber irgendwelchen Zukunftsvisionen der Hersteller. Ich sage zu allem immer meine ehrliche Meinung. Auf meinem Kanal findet man nichts Geschöntes oder bezahlte Meinung. Und ich bin jemand, auf dessen Urteil man in der aktuell sehr spannenden Phase im Automobilsektor vertrauen kann. Ich bin im Herzen ein Motorsportler und Verbrennertyp, fahre privat aber Elektro. Mein drittes Video vor mehr als zehn Jahren war ein Elektroauto-Test. Ich habe also von Anfang an alle Sparten bedient. Dazu kommt, dass ich die Leute natürlich auf meinem Weg mitnehme und ihnen auch immer viel von mir privat zeige. So haben sie das Gefühl, dass sie hautnah dabei sind. Ich darf den Traum von vielen da draußen leben und versuche, meine Community daran Teil haben zu lassen, dass sie das mitfühlen können, was ich fühle. Ich glaube, das ist einer der Unterschiede.
Woher kommt deine Affinität zu Autos und dein Know-how rund ums Auto? Hast du in diesem Bereich eine Ausbildung gemacht?
Ja, ich habe tatsächlich Fahrzeugtechnik studiert. Dann habe ich aber an den Videogeschichten Blut geleckt, das Technikstudium geschmissen und bin nach Köln, um Film zu studieren. Mich hat der journalistische Filmbereich einfach mehr interessiert. Ich komme aus einer sehr motorradaffinen Familie, damit bin ich aufgewachsen. Daher habe ich mich zu Anfang auch um den Motorrad-Part auf unserem YouTube-Kanal gekümmert. Wir sind dann aber mit der Zeit nahezu komplett auf Autothemen umgeschwenkt, weil das mehr Anklang fand. Heute machen wir 95 bis 98 Prozent Auto-Content.
Woher kommt deine Leidenschaft für den Motorsport?
Ich will einfach besseren Content machen. Ein Auto fahren und darüber zu berichten, ist eine Sache. Ein Auto verstehen, etwas ganz anderes.
Und ich wusste, das geht nur, wenn du dich intensiver mit dem Thema Fahren beschäftigst. Man kann ein Auto auf öffentlichen Straßen niemals am Limit bewegen, dazu musst du auf die Rennstrecke. Und durch meine journalistische Tätigkeit war ich dann auch sehr viel auf Rennstrecken unterwegs und konnte immer gut mit den Instruktoren mithalten.
Und dann bekam das Thema eine Dynamik und ich sagte zu mir: Ey, Daniel, du musst in den Motorsport rein, damit du es schaffst, noch feinfühliger über ein Auto reden zu können, damit deine Videos noch mehr Mehrwert für die Zuschauer bieten.
Du hast dann deine Rennlizenz gemacht. Was bringt dir diese?
Ich wollte einfach nicht mehr nur Straßenautos und Pressefahrzeuge fahren, sondern wirklich Rennautos auf Rennstrecken.
Bei der Ausbildung zur Rennlizenz lernt man die Details, was es etwa macht, wenn der Sturz um einen halben Grad verstellt wird. Was passiert dann mit dem Auto? Was bringt es, die Highspeed-Zugstufe einzustellen? Was passiert da wirklich? So kann ich noch kompetenter über neue Entwicklungen berichten und quatsche nicht einfach hinterher, was der Hersteller vorgibt.
So habe ich angefangen, richtig Motorsport zu machen. Und da das Ganze auch irgendwie finanziert und gestemmt werden muss, nehme ich die Leute auf YouTube mit. Auf einmal war das eine ganz eigene Content-Sparte, für die sich Leute interessiert haben.
Bei unterschiedlichen Veranstaltungen. Als ich zum Beispiel bei JP Performance war, haben wir mit MAHLE ein paar Drehs gemacht. So kam der Kontakt zustande. Dann kam natürlich mein Motorsportengagement ins Spiel, und da ist MAHLE ja auch sehr aktiv. So hat sich mit der Zeit der Kontakt intensiviert. Und dann kam ja mein Plan, das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring zu fahren. Und dafür braucht man Sponsoren und Unterstützer. Ein logischer Weg.
In welcher Form unterstützt dich MAHLE?
Die Zusammenarbeit geht schon weit über ein klassisches Motorsport-Sponsoring hinaus. Bei mir ist das Ganze natürlich auch verbunden mit Content-Kreation. Das heißt, ich mache dann natürlich bei den Rennen auch Content für MAHLE mit Bildern, Videos und natürlich Stories, die in meinem Instagram-Feed veröffentlich werden. Die kann MAHLE dann wiederum auf seinen Seiten teilen. Und, was für uns ganz wichtig ist, haben wir Diagnosetester und auch ein Automatikgetriebespülgerät im Einsatz. Das wurde auch dringend gebraucht, weil wir beim ersten Lauf zur Nürburgring-Langstrecken-Serie einen Turboladerschaden hatten.
Was macht für dich den Reiz am 24-Stunden-Rennen aus?
Das ist ein Kindheitstraum. Ich war früher oft mit Freunden an der Nordschleife. Eine Tankfüllung hat immer genau gereicht für die Hinfahrt, drei Runden fahren und für die Rückfahrt.
Wir waren auch oft bei den Rennen. Und da stand ich am Zaun und dachte: Alter, wie krass wäre das, wenn ich irgendwann selbst mal da im Auto sitzen würde. Die Nordschleife ist einfach die schwierigste und gefährlichste Rennstrecke. Hier werden viele Autos getestet, abgestimmt, vorbereitet. Ja, und dann ging es irgendwann los mit dem Motorsport.
Ich habe schnell gemerkt, dass Sprintrennen und auch Grand-Prix-Strecken nichts für mich sind, viel zu monoton. Wenn du hingegen Nordschleife fährst, dann sind das zu 90 Prozent immer Multiclass-Rennen. Da sind verschiedene Geschwindigkeits-, PS- und Leistungsstufen in einem Rennen zusammen auf der gleichen Rennstrecke unterwegs und fighten in ihren Klassen.
Und das ist es, was die Nordschleife für mich so unfassbar spannend macht. Du hast keine einzige Runde, die exakt gleich ist. Das ist ein bisschen so wie beim Rallye-Fahren. Da weißt du auch nicht, was dich nach der nächsten Kurve erwartet. Das ist pures Adrenalin.
Dein erstes 24-Stunden-Rennen lief ja nicht so perfekt. Ihr seid ja relativ früh ausgeschieden. Planst du eine weitere Teilnahme?
Mein Traum ist noch nicht abgeschlossen. Ein 24-Stunden-Rennen zu fahren, bedeutet nicht nur, dass man am Start losfährt, sondern dass man auch über die Ziellinie kommt – nach 24 Stunden. Ich will auf jeden Fall in den nächsten Jahren nochmal angreifen, vielleicht schon kommendes. Aber zumindest weiß ich jetzt, was dahintersteckt: Organisation, Zeit, Stress, Geld und so weiter. Ich werde aber alles geben, dass es klappt.
Ist es nicht wahnsinnig stressig, sich ein halbes Jahr auf ein Rennen vorzubereiten und dann auch noch nebenher Content zu machen?
Genau das ist es. Für mich ist so ein Rennen das größte Event, was es für mich dieses Jahr beruflich und auch privat gab: Die Vorbereitung mir den Sponsoren, das ganze Handling mit der Fahrzeugfolierung und dem Design … und dann kontinuierlich Content machen für dich und die Sponsoren. Dann muss eventuell Equipment vorbereitet oder gekauft werden. Es war schon ein Riesenaufwand, eine Kamera ins Auto zu bauen. Denn die muss abgesichert und für die Rennstrecke technisch abgenommen werden. Das sind zigtausend Telefonate, Bilder und E-Mails. Aber: Ich habe eine Menge gelernt.
Was sind deine nächsten Pläne? Entwickelst du neue Content-Formate für deine Follower? Und wenn ja, was kannst du uns schon verraten?
Ich will auf jeden Fall das ganze SimRacing-Thema vorantreiben. Das finde ich extrem spannend. Ein echtes Rennen im Simulator abzubilden, ist mittlerweile wahnsinnig realistisch geworden. Ich glaube, dass es in naher Zukunft im Rennsport immer mehr in diese Richtung gehen wird, sich die Fahrer vielleicht schon zu Hause im Simulator für ein Rennen qualifizieren.
Aber ich will auch wieder mehr journalistische Videos machen, also klassische Autotests, weil wir eine extrem spannende Zukunft vor uns haben: autonomes Fahren oder die ganzen Komfort-Features sowie Infotainment- und Entertainment-Systeme. Klar, irgendwann sitzen wir nicht mehr hinter dem Steuer und überlassen dem Auto die ganze Arbeit. Aber dann kann ich in einer nicht so fernen Zukunft über diese Vergangenheit im Motorsport sprechen. Das ist ein Privileg, das dann nicht viele haben.