Ein Recht auf Reparatur haben alle Werkstätten in Europa. Die EU hat daher Wettbewerbsregeln für einen funktionierenden Binnenmarkt festgelegt. Stichwort: Kraftfahrzeug-Gruppenfreistellungsverordnung (GVO). Diese wurde gerade um weitere fünf Jahre verlängert, bis zum 31. Mai 2028. Reicht das aus für einen freien und fairen Wettbewerb im Reparaturmarkt? Und was macht MAHLE in diesem Zusammenhang? Wo gibt es noch Nachbesserungsbedarf? Dazu haben wir uns mit Alex Erdmann unterhalten. Er ist Manager External Affairs der MAHLE Aftermarket GmbH.
Herr Erdmann, Sie sitzen für MAHLE Aftermarket in Berlin. Was machen Sie dort?
MAHLE Aftermarket ist ein großer Player auf dem europäischen Ersatzteil- und Diagnosegerätemarkt und hat ein starkes Interesse daran, dass Gesetze und Regelungen für uns und unsere Kunden branchenfreundlich erlassen werden.
Unser Unternehmen hat eine hohe Fachexpertise. Diese tragen wir in Verbände und Organisationen hinein und bringen dies auch bei direkten Gesprächen mit Bundesministerien und politischen Entscheidungsträgern vor, um an Entscheidungen mitzuarbeiten, die den freien Reparaturmarkt betreffen. Das ist klassische Interessensvertretung.
Lobbyarbeit hat keinen guten Ruf. Was macht MAHLE anders?
Wir setzen uns für Gleichberechtigung und Partizipation ein, nicht für Abschottung und Monopolisierung. Verbände sind als Organisationen legitimiert und vorgesehen, um den Input und die Expertise möglichst vieler Unternehmen zu bündeln und gegenüber der Politik darzustellen.
Daher ist MAHLE Aftermarket unter anderem aktives Mitglied im Gesamtverband Autoteile-Handel. Der setzt sich auch mit Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für die legitimen Belange der freien Werkstätten und des Handels ein.
Wo ist MAHLE sonst noch vertreten?
Wir sind auch Mitglied im deutschen Verband für Automobil-Service Ausrüstung sowie im europäischen Zuliefererverband CLEPA, der die Eigenheiten der Branche sehr gut und stark in Brüssel vertritt. Seit Juni ist MAHLE Aftermarket auch Mitglied beim europäischen Verband der Fahrzeugprüforganisationen, der CITA. Denn viele Werkstätten wollen auch künftig die Haupt- und Abgasuntersuchung anbieten.
Doch die Rahmenbedingungen verändern sich im Moment und Themen wie Partikelmessung, Fahrerassistenzsysteme und Batteriediagnose kommen ins Spiel. Und da sind wir mit unseren innovativen Services mitten im Spannungsfeld. Da hilft das enorme Fachwissen der Entwicklungsabteilung in Parma, der Kollegen in Schorndorf und Donaueschingen, um frühzeitig im Gesetzgebungsprozess Probleme für unsere Kunden auszuschließen.
Wo sehen Sie aktuell das größte Konfliktpotenzial?
Aktuell ist das sicher der Zugang zum vernetzten Fahrzeug. Hier herrschen besonders harte Fronten. Insbesondere die zunehmenden Bestrebungen der Automobilhersteller, sich quasi als Türsteher vor dem Fahrzeug zu etablieren und damit unabhängigen Serviceanbietern keinen Datenzugang zu ermöglichen, nimmt leider deutlich zu.
Daher müssen wir ein Verständnis bei der Politik schaffen, dass eben diese fahrzeuggenerierten Daten für die Reparatur und Wartung eine zwingende Voraussetzung sind. Hier engagiert sich MAHLE und bekennt sich deutlich im Sinne seiner Kunden, die ohne fairen und hindernisfreien Datenzugang ihrer Arbeit bei Reparatur und Wartung nicht nachgehen können.
Vielen Dank für die interessanten Einblicke und Ihren Einsatz, Herr Erdmann.