PFAS sind eine große Familie synthetischer Chemikalien. Sie zeichnen sich durch sehr starke Kohlenstoff-Fluor-Bindungen aus. Das macht sie sehr langlebig, weshalb man auch von Ewigkeitschemikalien spricht. Aber sie sind auch gesundheitsschädlich, können sich bei Kontakt in Menschen und Tieren anreichern – laut Studien mit schwerwiegenden Folgen wie Krebserkrankungen und Fortpflanzungsprobleme. Dies hat weltweit, insbesondere in der EU, regulatorische Maßnahmen ausgelöst. So wird aktuell innerhalb der Chemikaliengesetzgebung eine umfassende PFAS-Beschränkung vorbereitet. 

Unsichtbar, wasserabweisend – und problematisch: PFAS im Alltag

Tolle Eigenschaften mit gefährlichen Nebenwirkungen: PFAS haben eine sehr niedrige Oberflächenenergie. Deshalb sind sie abweisend gegen Wasser, Schmutz und Fett und kommen deswegen auch in vielen Produkten vor. Etwa in Outdoorklamotten, Kaffeebechern, Kosmetik, Antihaft-Kochpfannen und Regenmänteln, aber auch in Elastomeren und Dichtungsmaterialien für Schrauben. Und: PFAS kommen auch in den Kältemitteln moderner Fahrzeugklimaanlagen vor.

Noch immer aktuell: R134a

Viele Jahrzehnte lang war R134a das Standardkältemittel in Kfz-Klimaanlagen. Es weist eine relativ geringe Toxizität und gute thermodynamische Eigenschaften auf. Allerdings hat es ein hohes Treibhauspotenzial (GWP = Global Warming Potential) und ist eine fluorierte Verbindung.

Der Standard seit 2017: R1234yf

Als Reaktion auf strengere Klimavorschriften in der EU hat R1234yf das „alte“ Kältemittel R134a in den meisten Fahrzeugen ersetzt. Im Vergleich zu R134a hat es ein sehr geringes Treibhauspotenzial. Trotz seiner Klimavorteile ist R1234yf eine fluorierte organische Substanz und wird – je nach verwendeter rechtlicher Definition – zur breiteren PFAS-Familie gezählt. Darüber hinaus sind Abbauprodukte wie Trifluoressigsäure (TFA) in der Umwelt schwer abbaubar.

Perspektiven für ein Verbot – mit langen Fristen

Anfang 2023 haben die EU-Mitgliedstaaten Deutschland, Dänemark, die Niederlande, Norwegen und Schweden der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) einen Vorschlag zur Beschränkung aller PFAS in allen Anwendungs- und Verwendungsbereichen vorgelegt. Ende August 2025 gab die ECHA bekannt, dass sie rund 5.600 wissenschaftliche und technische Stellungnahmen ausgewertet habe.

 

Der Prozess zur Festlegung, welche Stoffe für welche Verwendung mit welcher Übergangsfrist verboten werden, ist noch nicht abgeschlossen.

Derzeit wird für die bestehende Flotte von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und mittel bis schwere BEV-Nutzfahrzeuge eine Übergangsfrist von 13,5 Jahren und für Elektroautos (Pkw) eine Frist von 6,5 Jahren vorgeschlagen.

 

Mit einem Inkrafttreten wird aber erst ab dem ersten Quartal 2028 ausgegangen. Ein neuer Gesetzesvorschlag für das Verbot wird noch in diesem Jahr erwartet, zusammen mit einem entsprechenden Konsultationsprozess, woraufhin die ECHA den Verbotsvorschlag an die EU-Kommission weitergeben wird.

Es gibt gute Alternativen

Kohlendioxid (CO₂) als Kältemittel ist nicht neu, konnte sich bisher aber noch nicht durchsetzen. Als natürliches Kältemittel hat es einen sehr niedrigen GWP (1 – als Referenz). Es hat eine gute Wärmepumpenleistung und ist besonders attraktiv für E-Autos, die ein integriertes Wärmemanagement für Innenraum, Batterie und Leistungselektronik verwenden. Die Nachteile sind der sehr hohe Betriebsdruck, der alle Komponenten des Systems (Kompressor, Rohrleitungen usw.) stark beansprucht. Dennoch sind CO₂-Klimaanlagen und Wärmepumpensysteme bereits in einigen Fahrzeugen auf dem Markt, etwa in der VW ID-Familie.

 

Ein weiteres natürliches Kältemittel mit einem sehr niedrigen GWP (0,02) ist Propan (R290). Es ist äußerst energieeffizient, und sein niedrigerer Betriebsdruck macht Klimaanlagen hinsichtlich der Komponenten und der Systemkonstruktion potenziell kostengünstiger. Der Nachteil von Propan ist jedoch seine Entflammbarkeit. Dies erfordert strenge Sicherheitsmaßnahmen bei der Fahrzeugkonstruktion, wie die Begrenzung der Kältemittelfüllmenge, die Implementierung von Lecksuchsystemen, eine sorgfältige Verlegung der Kältemittelleitungen und robuste Belüftungskonzepte.

 

Diese zusätzlichen Sicherheitsanforderungen können die Komplexität des Systems erhöhen und erfordern in der Regel eine vollständige Neukonstruktion der Klimaanlage mit Komponenten außerhalb der Fahrerkabine und einem indirekten System. Das bedeutet auch, dass keine direkte Verdampfung im Verdampfer im Fahrgastraum und keine Kondensation im Kühlmodul stattfinden. Weltweite Programme zur Zulassung des Kältemittels sind noch im Gange. 

MAHLE: auch künftig zuverlässiger Partner beim Klimaservice

MAHLE ist Entwicklungspartner der Fahrzeughersteller bei Klimaanlagen und Wärmepumpensystemen. Das Know-how in den Bereichen Systemtechnik, Kompressoren, Wärmetauscher, Ventile oder Steuerungen treibt die Entwicklung von Thermomanagementsystemen mit umweltfreundlichen Kältemittel voran. Dies fließt auch direkt in den Servicebereich. So entwickelt MAHLE aktuell ein spezielles Klimaservicegerät, um eine sichere und effiziente Wartung und Reparatur von CO₂-Systemen in Werkstätten zu ermöglichen.

Werkstatt-Tipp: cool bleiben!

 

Das Geschäft mit dem Kältemittelwechsel bleibt noch lange profitabel und eine wertvolle Dienstleistung für Autofahrerinnen und Autofahrer. Servicegeräteprofis wie MAHLE und entsprechende Branchenverbände werden frühzeitig über Änderungen aus Brüssel berichten und sicherstellen, dass Werkstätten hier mit Infos und Geräten immer up-to-date sind.

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