Felix-Matthias Walter ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und hat an der Fachhochschule Esslingen studiert. Von 2009 an war er bei Mercedes-Benz in unterschiedlichen Positionen im Aftersales tätig, zuletzt als Senior Manager Service & Parts für batterieelektrische Fahrzeuge. MAHLE Service Solutions entstand durch die Integration von BrainBee im Jahr 2017 und gehört zu MAHLE Lifecycle and Mobility. Der Unternehmensbereich ist verantwortlich für das Ersatzteil- und Servicegeschäft des global agierenden Automobilzulieferers MAHLE.
Wir erleben aktuell einen tiefgreifenden Wandel in der Branche. Die klassische Werkstatt, wie wir sie kennen, entwickelt sich zunehmend zu einem kundenorientierten Service-Center. Digitalisierung, Vernetzung und die immer komplexer werdende Fahrzeugtechnik sind die treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung. Das bedeutet, dass sich die Anforderungen an die Betriebe verändern: Prozesse werden digitaler, Abläufe müssen effizienter werden und die Erwartungen der Kunden steigen. Werkstätten müssen sich darauf einstellen, dass sie künftig nicht mehr nur Reparaturbetrieb, sondern umfassender Dienstleister rund ums Fahrzeug sind.
Im Alltag heißt das: Viele Aufgaben werden künftig digital unterstützt oder sogar automatisiert ablaufen. Systeme wie digitale Auftragsannahme, vernetzte Diagnosegeräte oder cloudbasierte Serviceplattformen werden zum Standard. MAHLE setzt darauf, Werkstätten jeder Größe mit flexiblen und skalierbaren Lösungen zu unterstützen – von moderner Werkstattausrüstung bis hin zu praxisnahen Trainingsangeboten, die gezielt auf die neuen Anforderungen eingehen.
Ich habe in den vergangenen Monaten viele Werkstätten besucht und zahlreiche Gespräche mit Inhabern und Technikern geführt. Mein Eindruck ist, dass in den freien Mehrmarkenbetrieben eine enorme Kompetenz und Einsatzbereitschaft herrscht. Die Betriebe leisten tagtäglich Großartiges, oft unter schwierigen Bedingungen. Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass die Herausforderungen wachsen und die Anforderungen an die Betriebe steigen.
Ein zentrales Thema ist der Fachkräftemangel. Es wird immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden. Hinzu kommt der erschwerte Zugang zu Fahrzeugdaten, der für freie Werkstätten oft komplizierter ist als für Markenbetriebe. Auch der Weiterbildungsbedarf nimmt zu, gerade bei neuen Antriebstechnologien wie Hybrid oder Elektro. Und nicht zuletzt werden die Kunden preissensibler und erwarten gleichzeitig höchste Qualität. All das muss neben dem Tagesgeschäft bewältigt werden.
Moderne Fahrzeuge verlangen nach moderner Ausrüstung. Die Diagnose, Wartung und Reparatur von Fahrzeugen muss heute digital und präzise ablaufen – egal, ob es um einen einfachen Ölwechsel, den Klimaservice oder die Wartung von Hochvoltbatterien geht. Die Vielfalt der Modelle und die zunehmende Elektronik stellen hohe Anforderungen an die Werkstattausrüstung
Ich empfehle, auf Equipment zu setzen, das Fehlerquellen schnell und zuverlässig erkennt und die Ergebnisse transparent dokumentiert – sowohl für die Techniker als auch für die Betriebsleitung und den Kunden. Das schafft Vertrauen und hebt die Servicequalität. Gerade im Flottenservice kann das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.
Mit unserer Diagnoselösung TechPRO® decken wir bereits eine breite Palette an E-Fahrzeugen ab. Darüber hinaus haben wir mit BatteryPRO® spezielle Tools für die Diagnose und Wartung von Hochvoltbatterien entwickelt. Zum Beispiel ermöglicht E-HEALTH Charge eine präzise Analyse des Batteriezustands – ein entscheidender Faktor für die Sicherheit und Zufriedenheit der Kunden. Wir bieten außerdem mit E-CARE Fluid ein Gerät zur Wartung von Kühlkreisläufen aller Antriebstechniken. Die Anwendung ist einfach, spart Zeit und sorgt für effizientes Arbeiten. Wir entwickeln die BatteryPRO®-Linie kontinuierlich weiter, damit Werkstätten für die Herausforderungen der Elektromobilität bestens gerüstet sind.
Betriebe können sich bereits jetzt mit Einstiegsservices für batterieelektrische Fahrzeuge aktiv gegenüber ihren Kunden positionieren – etwa mit dem Battery State-of-Health Test. So zeigen sie, dass sie zukunftsfähig sind und sichern sich den Kundenzugang auch für die kommenden Jahre.
Die Zahl der Fahrzeuge mit Radar- und Kamerasystemen wächst stetig. Viele Werkstätten zögern noch bei Investitionen in Kalibriertechnik, weil sie vermutlich hoffen, dass Sensoren sich künftig selbst kalibrieren. Das ist jedoch riskant. Wer ein Mehrmarken-Kalibrier-Tool wie unser Digital ADAS 2.0 nutzt, kann damit nicht nur zusätzliche Umsätze generieren, sondern schützt sich auch vor Haftungsrisiken. Unsere Lösungen setzen auf Effizienz und Präzision, damit die Kalibrierung schnell und zuverlässig gelingt. Voraussetzung ist natürlich, dass das Werkstatt-Team das Gerät auch effizient bedienen und die Kosten verrechnen kann.
Ein gutes Beispiel ist unser neues Digital ADAS 2.0 Extra: Das System verfügt über einen drehbaren 75-Zoll-Bildschirm und intelligente Ultraschallsensoren. Techniker und Technikerinnen das Fahrzeug direkt aus dem Innenraum heraus präzise vor dem System positionieren. Mit dem System lassen sich auch große Fahrzeuge wie SUVs oder Nutzfahrzeuge präzise und effizient kalibrieren. Das erleichtert die Arbeit und steigert die Servicequalität.
Diese Systeme verändern die Anforderungen an Service und Diagnose grundlegend. Mittlerweile lassen sich Fehler und Updates aus der Ferne erkennen und teilweise beheben. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Werkstattplanung. Werkstätten müssen sich darauf einstellen, dass viele Servicearbeiten künftig immer häufiger auch mit digitalen Tools über einen Bildschirm oder ein angeschlossenes Ausgabegerät durchgeführt werden. Die Fähigkeit, Softwareupdates und Diagnosen remote – also auf der Ferne – steuern zu können, wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.